Karl Fred Dahmen

Karl-Fred Dahmen
"Schwarz zu Rot", 1964, Mischtechnik und Materialcollage auf Leinwand, 151 x 130 cm, Privatbesitz
"Schwarz zu Rot", 1964, Mischtechnik und Materialcollage auf Leinwand, 151 x 130 cm, Privatbesitz
"An die geschundene Kreatur", 1972/74 (Foto: Adam C. Oellers)

K. F. Dahmen gehörte in den 50er Jahren zu den Pionieren der Malerei des deutschen Informel. Er hat sich am stärksten mit der Reliefstruktur der Bilder beschäftigt und die erdhaften landschaftlichen Oberflächen plastisch-malerisch auf die Leinwand übertragen. Seit Mitte der 60er Jahre hat ein bedeutendes Werk im Bereich der Collagen, Material-Assemblagen und Installationen geschaffen. Dahmen war in allen großen Ausstellungen und Publikationen zum Informel vertreten.


Biographie

Geb. 1917 in Stolberg
1932/33  Studium an der Kunstgewerbeschule Aachen
1951 erster Aufenthalt in Paris
1955ff.  Einzelausstellungen in den Pariser Galerien Arnaud und La Roue sowie in bekannten deutschen Avantgarde-Galerien (galerie 22, Düsseldorf 1958, Galerie Parnass, Wuppertal 1959), ebenso in der Galerie Lefevre (New York 1963)
1959 Beteiligung auf der documenta
1967 Professur an der Kunstakademie München
1981 gest. in  Preinersdorf/Bayern
1985 Retrospektive im Museum Saarbrücken


Charakteristik

Dahmen gelangte in den 50er Jahren von abstrahierten Stadtlandschaften zu den sog. "terrestrischen" ("Erd"-)Landschaften. In den Sand- und Schlackenhalden seiner Heimat entdeckte er neue malerische Qualitäten, die er mit Hilfe von tonigen Erdfarben und Beimischungen von Materialien zu einer informellen Bildstruktur mit stark reliefhaften Oberflächen ausgestaltete. In Dahmens Arbeiten wechseln dunkle Braun-Oker-Töne mit glühend roter Farbigkeit, in die immer wieder Aufbrüche, Ablagerungen oder Ritzungen eingearbeitet sind. Als Konsequenz dieser Materialbezogenheit entstehen dann seine späteren Collagen, Objektkästen und Montagen, die - weitgehend aus Fundstücken zusammengesetzt - wie Reliquienschreine der Vergänglichkeit unserer Alltagszivilisation wirken.


Bildbeispiele

"Schwarz zu Rot", 1964, Mischtechnik und Materialcollage auf Leinwand, 151 x 130 cm, Privatbesitz

Das Bild vereinigt Dahmens informelle Werkphase mit den neuen Materialcollagen der 60er Jahre: Horizontal fast mittig zweigeteilt, enthält die obere Bildhälfte eine flammend rote, eher flächig aufgetragene Farbstruktur, in der dennoch schichtenförmige und porös aufbrechende Oberflächen sichtbar werden. Stark reliefartig dagegen der untere dunkle Bildteil in dem Faltungen, Erhöhungen und Einritzungen sichtbar werden: Er kulminiert in einer Assemblage von Fundgegenständen, Flechtkorb-Resten u.ä., die konzentriert hervortreten und zugleich stark wieder in die Materialmasse des Bildes eingebunden werden. Der starke Farbkontrast weckt Assoziationen an Himmels- und Erdsphären, wobei die Gegenstände dann an unbestimmte Relikte aus einer aufgebrochenen Vergangenheit erinnern.

 

"An die geschundene Kreatur", 1972/74, versch. Materialien, 2,87 x 2,87 x 10 m

Als Schenkung von Volker Dahmen, dem Sohn von Karl Fred Dahmen, erhielt der Verein eine der wichtigsten Installationen aus Dahmens "Chiemgau-Zeit", die Arbeit "An die geschundene Kreatur" von 1972/74, welche lange Zeit in Dahmens bayrischem Bauerngehöft aufgestellt gewesen war. Das Objekt zeigt einen altarähnlichen, auf einer Munitionskiste montierten Aufbau mit einem grünen Polsterbild und darunter einem Schrein mit Schädeln, Stoffresten und beschädigten Puppenbeinen. Von ihm winden sich verknotete Seile hinab zu einer Wagenachse mit bedrohlich aufgestelltem Messer, bevor sie weiter nach vorne in einem wirren Knäuel zusammenlaufen. Die Bedrohung der Natur und der gnadenlose Umgang mit der Tierwelt wurden hier aufgezeigt; das Leben der Nutztiere ist bis zur endgültigen Verwertung durch Einsperrung, Fesselung und mühsame Feldarbeit bestimmt. Das vordergründig Schöne der friedlichen grünen Landschaft ist in einer erschreckenden Symbolik aufgebrochen.