Ewald Mataré

Ewald Mataré
"Frau mit Rindern", 1930/31, Bronzerelief, 177 x 183 cm,  Europ. Gerichtshof Luxemburg
"Frau mit Rindern", 1930/31, Bronzerelief, 177 x 183 cm, Europ. Gerichtshof Luxemburg

Sowohl mit seinen Skulpturen, als auch mit seinem architekturbezogenen und seinem kunsthandwerklichen  Schaffen hat Ewald Mataré seit den 30er Jahren das Bild der Kunst im öffentlichen Raum entscheidend mitgeprägt. Ausgehend von einem vom Humanismus wie von christlichen Idealen geleiteten Menschenbild steigerte die figurale Plastik des 20. Jahrhunderts zu einer abstrahiert in sich ruhenden, überzeitlich gültigen Form.
Als langjähriger Professor für Bildhauerei an der Düsseldorfer Akademie wirkte er auf eine große Zahl bedeutender Schüler ein (Georg Meistermann, Joseph Beuys, Erwin Heerich, Elmar Hillebrand). Auch seine expressiven graphischen Arbeiten und seine malerischen Aquarelle haben einen starken Einfluß auf die nachfolgenden Generationen hinterlassen.


Biographie

Geb. 1887 in Aachen
1905-07 Studium an der TH Aachen bei dem Bildhauer Karl Kraus
1907-15 Studium an der Berliner Akademie (u.a. bei Arthur Kampf) sowie in der Privatschule bei Lovis Corinth
1918 Mitglied der revolutionären Berliner  "Novembergruppe", an deren Ausstellungen er seit 1924 regelmäßig beteiligt ist.
1932 Professur an der Kunstakademie Düsseldorf bis zur Entlassung durch die Nationalsozialisten 1933
1937/38 Arbeiten Matarés werden in Museen beschlagnahmt bzw. auf der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt; die Kriegerfigur vom Ehrenmal in Kleve wird entfernt.
1945 Wiederberufung an die Düsseldorfer Akademie (bis 1957).
Mataré erhält nach dem Kriege bedeutende öffentliche Aufträge: 1948-54 Gestaltung der Kölner Domtüren, Glasfenster im Dom und Rathaus zu Aachen (1952/54, 1956/57), Portale für die Weltfriedenskirche Hiroshima (1953/54), für die Dome zu Essen (1956) und Salzburg (1958), für St. Lambertus Düsseldorf (1958/60) sowie für das Aachener Rathaus (1962-64), schließlich der Stefan-Lochner-Brunnen in Köln (1955/56).
Mataré ist auf allen großen internationalen Nachkriegsausstellungen vertreten, u.a. Int. Skulpturen-Biennale (Antwerpen 1953), Deutsche Kunst nach 1945 (Amsterdam 1954), Int. Bildhauerausstellung (Rodin-Museum Paris 1956), Kirchliche Kunst (Rom und Salzburg  1956), Documenta II (Kassel 1959), Pittsburgh Int. Exhibition 1958 " daneben zahlreiche Einzelausstellungen (u.a. Amsterdam 1964).

1965 gest. in Meerbusch-Büderich.


Charakteristik

Mataré hat in die Skulptur des 20. Jahrhunderts ein besonderes spirituelles Element eingebracht. Ehrfurcht gegenüber der Schöpfung und tiefe Empfindung gegenüber dem bildnerischen Material lassen eine ästhetische Form entstehen, welche eine neue, aufs Leben bezogene, wie zugleich ins Transzendente erhöhende Welt aufdecken soll. "Sich mit der Schöpfung eins zu fühlen" und " ein ‚Zeichen’ zu machen", das war Matarés Grundidee. In seiner praktischen Tätigkeit fühlte sich Mataré mit seinen Schülern den gemeinschaftlichen Arbeitsweisen und Zielen mittelalterlicher Bauhütten verwandt.

Werkbeispiel

"Frau mit Rindern", 1930/31, Bronzerelief, 177 x 183 cm,  Europ. Gerichtshof Luxemburg

Die großen Themen in Matarés plastischem Schaffen, der menschliche Körper und die Tierfigur, sind in diesem frühen Relief zu einer faszinierenden Synthese vereinheitlicht. Wie auf einem konzentrierten Welttableau entschlüsseln sich bildhaft alte Symbolik und Schöpfungsmythen. Ähnlich den prähistorischen Kultobjekten erscheint die Frau mit ihren nach unten geöffneten Armen als Urmutter der Fruchtbarkeit und des menschlichen Werdens, während die Rinder in ihren ruhig daliegenden und stehend schauenden Haltungen das Ebenbild einer harmonischen Schöpfung bilden. So wie die Füße der Frau über den Reliefrand hinaus eine irdische Fixierung andeuten, so streben die gewaltigen Rinderhörner himmelwärts in den freien (Bild-)Raum empor.