Ludwig Mies van der Rohe

Ludwig Mies van der Rohe
Hochhausentwurf (Modell), Berlin 1921
Hochhausentwurf (Modell), Berlin 1921
Villa Tugendhat, Brünn (Brno), 1928-30
Villa Tugendhat, Brünn (Brno), 1928-30
Villa Tugendhat, Brünn (Brno), 1928-30
Villa Tugendhat, Brünn (Brno), 1928-30

Ludwig Mies van der Rohe war einer der größten Architekten und Entwerfer des 20. Jahrhunderts. Durch seine neuen Konzeptionen offener, fließender Innenräume revolutionierte er die traditionellen Raumschemata der bisherigen Baukunst. Mit seinen monumentalen, durch Glas- und Metallfassaden verkleideten Beton- oder Stahl-Skelettbauten wurde er zum Pionier der modernen Hochhaus-Architektur. Die geistige Durchdringung der Bauaufgabe wie die zukunftsorientierte Bauplanung, verbunden mit strengen, klaren Formstrukturen und der Verwendung edler, werkgerechter Materialien, machten Mies van der Rohe zu einem modernen Widerpart der großen Epochen der Architekturgeschichte. Sein umfassendes Denken und Gestalten prägte über die Architektur hinaus auch seine heute noch gültigen Entwürfe im Möbeldesign.

 

Biographie

27. März 1886 geboren in Aachen
Ausbildung an der Domschule und der örtlichen Gewerbeschule, Lehrling bei einer Aachener Dekorationsfirma und einem Architekturbüro (Albert Schneiders)
1905 - 07 Ausbildung bei Bruno Paul in Berlin
1908 Eintritt ins Büro von Peter Behrens (1911/12 Bauleitung am neuen deutschen Botschaftsgebäude in St. Petersburg)
1912 Selbständiger Architekt
1921 Leiter der Architektursektion der "Novembergruppe"
1925 künstlerischer Leiter des "Deutschen Werkbundes"
1930 Leiter des Bauhauses in Dessau (1932 /33 in Berlin)
1938 Emigration in die USA, Architekturleiter am späteren Illinois Institute of Technology in Chicago, zahlreiche Hochhausbauten in USA und Kanada
17. August 1969 gestorben in Chicago

 

Charakteristik

Das architektonische Denken von Mies van der Rohe entwickelte sich aus intensiven Studien sowohl der historischen Baukunst als auch verschiedener philosophischer und theologischer Fragestellungen. Zugleich erhielt er in den Büros der Berliner Architekten Bruno Paul und Peter Behrens eine solide, auf der Höhe der Zeit stehende Ausbildung. Im revolutionären Berlin nach dem I. Weltkrieg findet Mies dann bereits in den 20er Jahren seine grundlegenden Neukonzeptionen in städtebaulicher wie architektonischer Hinsicht. Technische Innovationen verbinden sich hier mit einem neuen Zeitausdruck: "Baukunst ist raumgefaßter Zeitwille", sagte er bereits 1924.

Die Gedanken des Bauhauses bringt Mies zunächst in Dessau und Berlin, ab 1937 dann in Chicago in seine intensive Lehrtätigkeit ein: Erkenntnis von Geschichte und Gegenwart sollen die Bauaufgaben der Zukunft prägen, Einfachheit und klare Gliederung gepaart mit höchster technischer Präzision und ästhetischer Steigerung sollen zum Äquivalent einer neuen, sich rasant entwickelnden Gesellschaft werden: "Ich will eine strukturelle Architektur, weil ich finde, das ist das einzige, wo wir eine wirkliche Fühlung mit dem Wesen unserer Zivilisation haben können" (1968).

Seine frühen Wohnhäuser wie z.B. die "Villa Tugendhat" in Brünn (1928/30) oder die Häuser in Krefeld, der rekonstruierte Weltausstellungspavillon in Barcelona (1928/29), die Baukonzepte für die Stuttgarter Weißenhofsiedlung (1927) oder den IIT-Campus in Chicago (1938ff.), schließlich seine Hochhäuser in Chicago, Toronto oder New York ("Seagram-Buildung", 1954/58) sowie die "Neue Nationalgalerie" in Berlin (1965/68) gehören heute zu den Inkunabeln einer neuen, modernen Architektursprache und zum Pflichtstudium eines jeden angehenden Studenten - in ästhetischer wie in konstruktiver Hinsicht.