Abb. 8: Längsschnitt durch das Nationaltheater
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Längsschnitt
Abb. 9: Grundriss des Nationaltheaters, Zuschauer-Ebene
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Grundriss
Abb. 10: Seitenansicht des Nationaltheaters (Zeichnungen von Mies van der Rohe)
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Seitenansicht
Abb. 11: Blick aus der Fußgängerperspektive
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Fußgängerperspektive
Abb. 12: Blick aus der Vogelperspektive
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Vogelperspektive
Abb. 13: Querschnitt durch den Zuschauerraum mit Blick zur Bühne
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Querschnitt
Abb. 14: Grundriss des Nationaltheaters, Eingangsebene
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Grundriss
Abb. 15: Blick auf die Eingangssituation mit dem gesamten Theaterkomplex (Modellfoto)
Theaterprojekt Mies van der Rohe - Eingangssituation

Am 12./13. Januar 1957 wurden die Bühnen beider Häuser eingeweiht: die Eröffnungsvorstellung des Großen Hauses mit Der Freischütz, mit dem die Geschichte des alten Nationaltheaters 1943 geendet hatte, und der Vorstellung im Kleinen Haus mit Schillers Die Räuber, genau 175 Jahre nach der Uraufführung in Mannheim.

Das in den Jahren 1955/56 neu errichtete Nationaltheater nach dem Entwurf von Gerhard Weber, ein nahezu vollständig geschlossener Baukomplex, präsentiert sich als strenger langgezogener Baukörper über einem trapezförmigen Grundriss. Schon in dem Sitzungsprotokoll vom 7. Februar 1954 (3) wird von einem Gutachter der zweiten Stufe des Theaterwettbewerbs zum Entwurf Webers festgestellt, dass die eindeutige, klare Form ... einen Einfluss Mies van der Rohes erkennen lässt.

Im Katalog zur Ausstellung " Mies van der Rohe im Nachkriegsdeutschland, das Theaterprojekt Mannheim 1953 " vom 1. Januar bis 31. März 2002 in Dessau im Meisterhaus von Kandinsky/Klee schreibt Thilo Hilpert: "Die Einladung an Mies war ... ein Zeichen für die Erneuerung und die Suche nach Kontinuität für die Kultur der Moderne."

Herbert Hirche, einer der letzten Schüler am Bauhaus in Berlin (1933) und späterer Mitarbeiter von Mies van der Rohe bei der Planung des Hauses Lange in Krefeld, war seit 1951 in Mannheim beim Oberbürgermeister beschäftigt. Ohne Hirche hätte es den Wettbewerb in Mannheim nicht in dieser Zusammensetzung der Teilnehmer gegeben, schreibt Thilo Hilpert. Vor allem konnte Hirche als langjähriger Vertrauter von Mies diesen für eine Teilnahme gewinnen. Mies war nicht nur als der international renommierte Architekt eingeladen worden, sondern weil er Idee und Programm des Bauhauses repräsentierte, dessen letzter Direktor er war.

Im Jahre 1952 war Mies van der Rohe in Chicago mit seinem Atelier in die 230 East Ohio Street umgezogen (vgl. Abb. 27). Der Wettbewerb für das Nationaltheater Mannheim interessierte ihn sehr. Binnen weniger Wochen wurden im Herbst und Winter 1952 die Entwurfsarbeiten durchgeführt und am Modell, dem unerlässlichen Medium zur Entwicklung von Funktion, Konstruktion und Raumidee, immer wieder überprüft. Pünktlich zum Abgabetermin im Januar schickte Mies eine große Kiste (Abb. 24) per Luftfracht mit allen Unterlagen, dem Modell, den Zeichnungen und Modellfotos nach Mannheim. Mies van der Rohe gibt Erläuterungen zu seinem Entwurf. Der Originaltext erschien auf Seite 17 bis 19 im Oktober 1953 in Arts and Architecture, 70, und auch die schweizer Zeitschrift Werk zitierte die Erläuterungen von Mies in Auszügen in Heft 10, Seite 314, 1953:

"Das Gebäude ist so konstruiert, dass sowohl das Nationaltheater mit 1300 Sitzplätzen als auch ein kleineres, intimeres Theater mit 500 Sitzplätzen unterzubringen sind. Das Große Haus ist für alle wichtigen künstlerischen Darbietungen wie Oper, Operette, Ballett und Theateraufführungen vorgesehen. Das Kleine Haus soll für Schauspiele, Vorträge, Kammermusik und Filmvorführungen genutzt werden.